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Sehr geehrte Frau Gräfin von Puttkamer,

ich bitte, um Ihrer Entschuldigung, dass ich mich ganz
unerwartet schriftlich bei Ihnen melde. Durch einen
gemeinsamen Bekannten wurde mir Ihr sorgvoller
Kommentar über ein Gemälde von mir mitgeteilt. Das
meine künstlerische Tätigkeiten zum Missverständnis
führen könnten, ist für mich höchst bedauerlich. Ich
wollte Sie unbedingt beruhigen und Ihnen vergewissern,
dass ich auf keinen Fall irgendeine Unterstützung für
das Heidnische in meinen Kunstwerken verbreite. Obwohl
das Gemälde die Hauptfigur aus dem archaischen
Bärin-und-Blatt-Mythos darstellt, bedeutet dies
keineswegs, ein Plädoyer für das abergläubische
Glaubenssystem unserer primitiven Vorfahren. Ganz im
Gegenteil, zeigt das Bild durch die begleitende
Symbolik die unendliche Tiefe meines christlichen
Glaubens.

Die blaue Bärin steht allerdings auf einem Berg, ein
Symbol, dass ich in zahlreichen Bildern als Metapher
für meine feste Frömmigkeit angewendet habe. Außerdem
sieht man die Bärin im Schatten mit herunterhängendem
Kopf, also eine klare Unterwerfung vor der glorreichen
Macht Gottes im Himmel. Vor allem ist die Symbolik
vom Sonnenuntergang das wichtigste im Bild, weil sie
eine unverkennbare Schilderung vom Untergang der
vorchristlichen Welt ist. Zusammengefasst signalisiert
das Bild die kommende, weltweite Umwandlung zur
christlichen Vernunft.

Ich hoffe, mit dieser Schrift wird das
Missverständnis aufgehoben und Ihre Sorgen wegen
meiner Kunst aus der Welt geschaffen.

Mit schönen Grüßen,
Caspar David Friedrich