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Maman,

Sie wissen schon, dass immer, wenn meine kleinen Briefe in der Post sind, Kosten auf Sie zukommen. Ebenso ist es auch dieses Mal. Ich warte seit sechs Wochen auf eine Zahlung von Vincents Bruder Theo. Er hat zwei Bilder von mir verkauft, aber bis jetzt habe ich noch keinen Sou dafür gesehen. Ich halte es kaum noch aus. In jedem Café in Montmartre bin ich verschuldet. Nun gucken alle auf mich herab, und nicht nur deshalb, weil ich ein Knirps bin. Sie sagen: „Du kommst aus einer reichen Familie, Toulouse. Bezahlen! Aber sofort!“ Also Maman, Sie müssen nun dringend mit M. Deveau von der Bank sprechen, um mir aus meiner verzweifelten Situation zu helfen.

Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, bin ich in letzter Zeit außerdem nicht besonders gesund und komme mit der Arbeit nur schleppend voran. Zur Zeit kämpfe ich mit einem Plakat für das Café-concert Divan Japonais. Mindestens dreimal habe ich damit angefangen, jedes Mal ist es in einer Katastrophe geendet, und der Druckstein musste immer wieder abgeschliffen werden. Wenn ich ein bisschen trinke, beruhigt es die Nerven, und die Arbeit kommt besser voran. Aber wenn ich ein Tröpfchen zu viel zu mir nehme, dann geht alles mit mir durch. Gestern abend ging ich mit Vincent und Emile auf ein Glas, und natürlich war die Hölle los. Ich bin total betrunken nach Hause gekommen und hatte den Kopf mit ihren blöden Geschichten bis zum Platzen voll. Wie ein Idiot griff ich zum Stift und ging an die Arbeit. Nun ist das Plakat für den Divan voll mit springenden Fischen! Jane sitzt nach wie vor mitten drin, als ob gar nichts sei (innerlich ganz entfernt wie immer), und Yvette G. sieht von der Bühne aus nichts, weil sie keinen Kopf hat. Noch komischer ist, dass ich den ganzen Café-Balkon in ein Riesengerät für das Rösten von Brotscheiben verwandelt habe. Es ist ziemlich amüsant, aber ich kann es selbst nicht verstehen. Wahrscheinlich ist mir Vincents Plapperei über Paul G., Tahiti, Fisch und sonst was durch den Kopf gespukt. Erst als ich heute mittag aufgestanden bin, habe ich mitbekommen, was passiert ist. Nun muss der Druckstein wieder abgeschliffen werden!

Maman, manchmal ist Ihr Junge einfach blöd, aber er liebt Sie wie immer. Ich werde mit Ungeduld die Überweisung von M. Deveau erwarten.

Ihr ergebener Toulouse