x



Spät in der Nacht habe ich endlich das Fisch-Gemälde fertig gemalt. Heute morgen, bei Tageslicht besehen, sieht es gar nicht schlecht aus. Vielleicht muss der Hintergrund noch etwas lebendiger werden, aber warten wir mal, bis es getrocknet ist.

Natürlich hat Hendrikje wegen des Umhangs geschimpft. Aber was erwartet sie? Wenn man wochenlang einen toten Fisch umarmt, riechen die Klamotten schlecht. Das ist nur logisch. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass die Reinigung des Umhangs nur eine notwendige „Investition“ für das Geschäft ist. Außerdem laufen die Geschäfte zur Zeit so schlecht, dass sie dankbar sein sollte, den Umhang waschen zu dürfen. Die Weiber versteht aber auch gar nichts von den Feinheiten der Verkaufstechnik. Wenn ich mein Schinkengesicht neben diesem mythologischen Symbol male, dann werden alle Mitglieder des Stadtrats und alle übrigen reichen Bürger auch ihre hässlichen Schinkengesichter so gemalt haben wollen. Nur müssen die reichen Fettärsche dann eben nicht mehr mit einem stinkenden Fisch in der Hand stundenlang Modell sitzen. Sie können einen Schuh oder eine Brotstange halten, weil ich den Teil mit dem Fisch schon ausgearbeitet habe. Das nennt man eine kluge Geschäftsidee!

Wenn „Fisch und Kiste“ in Leyden zum großen Renner wird, dann fliegen die Aufträge durch die Tür, und Hendrikje kann eine Frau anstellen, um die blöde Wäsche zu waschen. Meine süße Saskia hätte das alles verstanden. Ihre Verwandten waren zwar eine Menge geiziger Bastarde, aber meine Saskia stand immer zu mir, egal was für Blödsinn ich unternommen habe. Ich vermisse sie wirklich sehr.

R. Van Rijn